CampusSource Engine

 

Ein Ansatz zur Konvergenz von Learning Management Systemen (LMS) und zum integrierten Zugriff auf Datenbeständen der Hochschulen

 

 

Firoz Kaderali

Professor für Kommunikationssysteme an der FernUniversität Hagen

und Vorsitzender der Open Source Initiative CampusSource

 

In der 2001 eröffneten Börse der Open Source Initiative CampusSource werden zur Zeit 18 Learning Management Systeme und Werkzeuge, darunter 9 komplette elektronische Lehrplattformen, unter der GNU General Public License angeboten. Mit über 3000 registrierten Anwendern (Institutionen und Firmen) ist CampusSource weltweit die größte Open Source Börse für eLearning Werkzeuge. Im Rahmen von CampusSource können inzwischen verschiedene Trends beobachtet werden. So wächst die Anzahl sowohl der Nutzer als auch der angebotenen Systeme seit der Einführung der Börse. Eine stetig wachsende Anzahl von konkurrierenden Systemen bedeutet allerdings auch, dass die einzelnen Entwicklungsgemeinschaften der Systeme entsprechend kleiner werden, da die Anwender sich auf die verschiedenen Systeme verteilen. Es führt auch dazu, dass viele Basisfunktionalitäten in den Systemen mehrfach entwickelt werden, sodass Entwicklungs­ressourcen verschwendet werden. Da eine Begrenzung der Systempluralität nicht realisierbar ist und auch nicht wünschenswert sein kann, ist langfristig eine Konvergenz der Systeme erforderlich. Eine ähnliche Anforderung entsteht aus Anwendersicht. Viele Anwender stellen fest, dass keines der verfügbaren Systeme ihre Anforderungen voll erfüllt. Vielmehr hätten sie gerne einige Funktionalitäten von einem System und weitere Funktionalitäten von anderen Systemen genutzt, was allerdings derzeit kaum möglich ist. Dies liegt daran, dass eine Kompatibilität auf funktionaler Ebene zwischen verschiedenen Systemen nicht gegeben ist. In Zukunft wird aber einerseits eine solche Modularität auf Funktionsebene, andererseits die bereits angesprochene Konvergenz zwischen den Systemen, dringend gefordert. Ein weiterer Trend betrifft Daten, die für die Realisierung der Funktionalitäten in den Lernplattformen oder in den Werkzeugen benötigt werden. Diese liegen gewöhnlich in der Hochschul­dateninfrastruktur verteilt vor. In Deutschland wird in den meisten Hochschulen unter anderem die HIS-Software für die Datenhaltung verwendet. Bisher bietet diese keine für eLearning geeignete Schnittstelle an. In der Vergangenheit wurden zahlreiche, sehr unterschiedliche Vereinbarungen mit verschiedenen Anwendern getroffen, um ihnen einen individuellen Zugriff zu den benötigten Daten zu ermöglichen. Es ist erforderlich, eine umfangreiche Schnittstelle, die einen integrierten Datenzugriff auf die Datenbeständen der Hochschulen ermöglichen zu spezifizieren und zu realisieren. Im Rahmen dieses Beitrages wird ein Ansatz, der die CampusSource Engine beinhaltet, vorgestellt, das von zahlreichen Universitäten und Firmen zur Realisierung der angesprochenen zukunftsorientierten Anforderungen gemeinsam verfolgt wird.